The following text is not a historical study. It is a retelling of the witness’s life story based on the memories recorded in the interview. The story was processed by external collaborators of the Memory of Nations. In some cases, the short biography draws on documents made available by the Security Forces Archives, State District Archives, National Archives, or other institutions. These are used merely to complement the witness’s testimony. The referenced pages of such files are saved in the Documents section.
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Die Wege abstecken
geboren am 5. Februar 1949 in Karlsbad
Leiterin verschiedener Kulturprojekte, Dolmetscherin, begeisterte Motorradfahrerin
Vater Erich Christl, Mutter Ilse Sterzik
Lebte bis 1954 bei den Großeltern in Neusattl (Nové Sedlo u Lokte)
1954-1964 Schulausbildung in Schlaggenwald (Horní Slavkov)
Ausreisegenehmigung im Sommer 1964 und Ausreise nach Deutschland am 28. November 1964
Nach verschiedenen Lageraufenthalten Ankunft im Februar 1965 in Augsburg
1965-1967 Kaufmännische Ausbildung und anschließende Tätigkeit bei NCR, Augsburg
1970 Heirat mit Wolfgang Hefele
1977-1986 Fachlehrerin für Handarbeit, Werken, Maschineschreiben Realschule, Schrobenhausen
seit 1987 deutsch-tschechische Übersetzungen, Dolmetschertätigkeiten für die Stadt Augsburg
1987-1990 Reportagen und Redaktionsarbeit bei Radio KÖ, Augsburg
1987-1993 Konzeptentwicklung und Redaktionsleitung des Stadtmagazins „Live“, Augsburg
1993-1995 Kultur- und Eventmanagement „Spectrum“, Augsburg
1993-2000 Konzeptentwicklung und Redaktionsleitung des Kulturmagazins „ARTUR“, Augsburg
seit 1995 Tschechischkurse beim Bukowinainstitut, Augsburg
seit 1999 artefakt – Kulturmanagement, deutsch-tschechischer Kulturaustausch, Augsburg
2001-2007 Studio-Organistaion und -Leitung des Augsburger Filmfest
seit 2004 Projektleiterin für Dialog, kulturelle Städtepartnerschaft Augsburg – Liberec
seit 2010 Vorsitzende der Deutsch-Tschechischen-Gesellschaft
Sonja Hefele – Biography
Die Wege abstecken.
Sonja Hefelewurde am 5. Februar in Karlsbad (Karlovy Vary) geboren. Sie ist die Tochter von Erich Christl aus dem Sudetenland und Ilse Sterzik, die 1944 aus Schlesien vertrieben wurde. Ihre Eltern lernten sich 1944 in einem Berliner Lazarett kennen, in welchem der Vater nach einem Unfall auf einem Minenräumer, behandelt wurde. Sie verloren sich jedoch wieder aus den Augen und fanden sich in der ehemaligen Tschechoslowakei wieder, nachdem die Familie ihrer Mutter in diese emigrierte. Aus Angst vor einer Inhaftierung des Vaters, flohen die beiden 1949 mit der jungen Sonja Hefele über die tschechisch-österreichische Grenze. Um Sorge um die Familie ihrer Mutter entschlossen sie sich aber wieder zurück in die ehemalige Tschechoslowakei zu kehren. Ihr Vater wurde in Schlaggenwald (Horní Slavkov) zum Arbeitsdienst im Uranbergbau verurteilt, während Sonja Hefele mit ihrer Mutter bis zum Alter von 4 Jahren bei ihren Großeltern in Neusattl (Nové Sedlo u Lokte) aufwuchs. 1953 beschloss die Mutter mit Sonja Hefele nach Schlaggenwald zu ihrem Mann zu ziehen. Nach einem kurzen Aufenthalt in provisorischen Baracken, wurde der Familie eine Wohnung zugewiesen. Sonja Hefele erinnert sich auch noch lebhaft daran, dass bis zur Entlassung des Vaters aus dem Arbeitsdienst 1959, Schlaggenwald komplett von einem Zaun umgeben war, um die zum Arbeitsdienst Verurteilten an der Flucht zu hindern.
Sonja Hefele besuchte von 1954 bis 1958 die Grundschule in Schlaggenwald und anschließend die Mittelschule bis zu ihrer Ausreise im Jahre 1964. Sie verbindet mit dieser Zeit vor allem Ausgrenzung in der Schule durch ihre mangelnden Kenntnisse der tschechischen Sprache und Angst um das Leben ihres Vaters. Sie erzählte, dass es mehrmals am Tag Lautsprecher-Durchsagen über die Opfer in der Uranmine, in der ihr Vater arbeitete, gab. Besonders positiv erinnert sie sich an ihren Lehrer im Werkunterricht, der ehemals den Lehrstuhl für Geschichte an der Karlsuniversität inne hatte und jetzt an der Mittelschule Werken unterrichten musste, nachdem ihm der Lehrstuhl wegen antikommunistischer Gesinnung entzogen wurde.
Im Frühjahr 1964 wurde der Familie die Ausreise nach Deutschland genehmigt. Am 28. November 1964 sollte die Familie Vormittags mit dem Zug von Schlaggenwald nach Eger (Cheb) fahren. Allerdings misstraute der Vater den tschechischen Behörden und fuhr mit der Familie im Morgengrauen über Feldwege direkt nach Eger und die Familie nahm dort den ersten Zug nach Deutschland. Sonja Hefele erinnerte sich, dass dies natürlich Probleme mit den tschechischen und deutschen Grenzkontrollen gab. Die Familie erreichte aber trotzdem das Auffanglager in Nürnberg und wurde nach wenigen Wochen über Neuburg a.D. weiter nach Augsburg geschickt. Im Februar 1965 wurde der Familie dann in Augsburg eine Wohnung zugewiesen.
Ihr beruflicher Werdegang begann in Augsburg bei der Firma NCR. Anfangs als „Laufmädchen“ eingesetzt, erkannte ihr damaliger Chef ihr Potential und bot ihr eine Ausbildung als Bürokauffrau an. Außerdem ermöglichte er der jungen Sonja Hefele einen Deutschkurs bei einer Nonne. „Diesen beiden Menschen habe ich alles zu verdanken“, erinnert sie sich. Durch glückliche Zufälle konnte sie sich auch wieder ihrem Hobby, dem Wintersport, widmen, indem sie mit der Augsburger Eishockeymannschaft trainieren durfte. Dadurch konnte sie sich nicht nur in Augsburg integrieren, sie lernte auch ihren heutigen Mann, Wolfgang Hefele, kennen. Die beiden heirateten 1970 und haben einen Sohn und eine Tochter zusammen. Bevor sich ihre, bis heute anhaltende, journalistische Tätigkeit beim Augsburger Radiosender „Radio KÖ“ zu entwickeln begann, arbeitete sie noch bis zum Jahre 1986 als Fachlehrerin an einer Realschule bei Augsburg.
1987 begann sie mit redaktioneller Arbeit beim Augsburger Radiosender „Radio KÖ“ und beim „Stadtmagazin Augsburg“. Sie entwickelte und realisierte von 1987-1993 das Stadtmagazin „Live“ und anschließend bis zum Jahre 2000 das Kulturmagazin „ARTUR“. Bei beiden Magazinen übernahm sie zu dem die Redaktionsleitung. Seit dem Jahre 1999 ist sie im „artefakt – Kulturmanagement Augsburg“ tätig, wobei sie sich ins besonders um Projekte zur Förderung des kulturellen Austausches zwischen Deutschland und Tschechien kümmert. Sie dolmetscht, übersetzt und gibt regelmäßig Tschechischkurse in verschiedensten Bildungseinrichtungen. Seit 2010 ist sie ehrenamtlicher Vorstand der Deutsch-Tschechischen-Gesellschaft in Augsburg. Sonja Hefele widmet ihre ganzes Leben dem „Abstecken der Wege“ zu neuen deutsch-tschechischen Beziehungen.
© Všechna práva vycházejí z práv projektu: Iron Curtain Stories
Witness story in project Iron Curtain Stories (Tobias Gion)